
"USA verkaufen Optimismus": Experten über Auswirkungen des USA-Iran-Deals auf Russlands Ölexporte

Die Gültigkeitsdauer der befristeten Genehmigung der USA für Drittländer zum Kauf von russischem Öl läuft in der Nacht vom 16. auf den 17. Juni ab. Durch die US-Lizenz konnte russisches Öl ohne zusätzliche Kosten für Logistik, Versicherung und Handelsgeschäfte verkauft werden, und der Preisabschlag russischer Rohölsorten gegenüber den Referenzsorten wurde verringert. Die Lizenz wurde bereits zweimal um jeweils einen Monat verlängert, doch nun bezweifeln Experten, dass die Vereinigten Staaten eine weitere Verlängerung beschließen werden. Eine mögliche Option wäre, sie noch für einen kurzen Zeitraum zu verlängern, um den Markt abzusichern, bis sich die Lage am Persischen Golf stabilisiert hat, und dann wieder alle Schrauben bis zum Äußersten anzuziehen.

Daniil Tjun, Geschäftsführer des Unternehmens "DA-Consulting", ist der Ansicht, dass die US-Lizenz höchstwahrscheinlich nicht verlängert wird. Angesichts des Rückgangs der Ölpreise und der politischen Wende in Iran sei es für die USA "derzeit logischer, dieses Fenster zu schließen", meint er in einem Gespräch mit der Rossijskaja Gaseta. Dabei ist Tjun überzeugt, dass die Folgen für Russland im Falle einer Nichtverlängerung der Lizenz zwar unangenehm, aber nicht katastrophal sein werden.
Einige Experten vertreten die Meinung, dass die USA dennoch zu einer Verlängerung der Lizenz bereit sein könnten – allerdings nur in begrenztem Umfang und für bestimmte Länder. Zum Beispiel für Indien, das derzeit stark von russischen Lieferungen abhängig ist – und noch keine Alternativen zum Ölimport aus Russland gefunden hat. Da die USA kurz vor der Unterzeichnung eines Handelsabkommens mit Neu-Delhi stehen, zwingt dies Washington dazu, vorerst nachgiebig zu sein.
Wie Konstantin Simonow, Leiter des Fonds für nationale Energiesicherheit, in einem Gespräch mit der Rossijskaja Gaseta anmerkte, "verkaufen die USA Optimismus." Denn es sei klar, dass in nächster Zeit keine großen zusätzlichen Ölmengen auf den Markt kommen werden. Der Experte erklärt:
"Das Abkommen zwischen den USA und Iran allein wird weder die Straße von Hormus von Minen befreien noch die Ölförderung steigern."
Laut Simonow habe man seitens der USA bislang nur schöne Erklärungen und Versprechungen über ein künftiges friedliches Zusammenleben der Länder im Nahen Osten gehört. Aber Klarheit gibt es weiterhin nicht. Selbst der künftige Status der Straße von Hormus ist unklar. Der Experte hat jedoch keinen Zweifel: Sobald sich die Lage auch nur ein wenig stabilisiert, werden die USA die Sanktionen gegen russische Ölexporte wieder einführen.
Der Waffenstillstand zwischen den Vereinigten Staaten und Iran sowie die Öffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr werden die Spannungen auf dem weltweiten Ölmarkt verringern, doch zu einem raschen Einbruch der Ölpreise wird es nicht kommen. So lautet die allgemeine Einschätzung. Dieser Umstand wird mit den langen Wiederherstellungszeiten nach einem intensiven Konflikt erklärt: Es wird Zeit brauchen, die Meerenge zu entminen, die Produktion wiederherzustellen und den Ölexport aus den Ländern am Persischen Golf wieder aufzunehmen. Zahlreiche Prognosen stimmen darin überein, dass es nicht gelingen wird, die Ölförderung in der Region sofort zu steigern. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass die Produktion in den Ländern am Persischen Golf bis zum Ende des Sommers um 10,1 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorkriegsniveau liegen und sich der Markt nicht vor Mitte des Jahres 2027 endgültig erholen wird. Die meisten Prognosen gehen davon aus, dass die Ölpreise auf einem relativ hohen Niveau verbleiben werden. Das US-Energieministerium erwartet seinerseits einen Rückgang des Brent-Preises auf 70 Dollar pro Barrel erst gegen Ende des Jahres. Bei Goldman Sachs geht man davon aus, dass der durchschnittliche Brent-Preis für das Jahr nahe bei 90 US-Dollar pro Barrel liegen wird. Fitch prognostiziert einen allmählichen Rückgang der Preise und einen durchschnittlichen Jahrespreis für Brent in diesem Jahr von etwa 87 Dollar pro Barrel.
Viele Experten bezweifeln zudem, dass es beiden Seiten gelingen wird, die getroffenen Vereinbarungen langfristig einzuhalten – was bedeutet, dass Stabilität in der Region und dauerhaft niedrige Ölpreise in naher Zukunft wohl kaum Realität werden. Die Autoren der Rossijskaja Gaseta betonen entsprechend:
"Sollten Iran und die USA am 19. Juni ein Memorandum über die Einstellung der Feindseligkeiten und die Wiederaufnahme der freien Schifffahrt durch die Meerenge unterzeichnen, wäre dies lediglich der Beginn von sechzig Tage dauernden Verhandlungen über die Friedensbedingungen. Es ist kaum anzunehmen, dass Iran sofort mit der Minenräumung in der Meerenge beginnen wird, ohne feste Garantien seitens der USA zu erhalten. Teheran hat allen Grund, den Versprechungen Washingtons zu misstrauen, denn die USA haben Vereinbarungen mit Iran bereits mehr als einmal gebrochen. Das bedeutet, dass es noch mindestens sechzig Tage lang keinen normalen (vorkriegszeitlichen) Schiffsverkehr in der Straße von Hormus geben wird."
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