
Russland will auf ausländische Baumaterialien verzichten

Dabei geht es in erster Linie um Granit-, Glas- und Keramikprodukte. Und obwohl nach Angaben des Finanzministeriums russische Waren im Jahr 2025 bereits 65 Prozent des Wertvolumens der staatlichen Beschaffungen von Baumaterialien ausmachten, sollen diese Anteile weiter ausgebaut werden. Konkret soll in diesem Bereich die sogenannte "nationale Regelung" Anwendung finden, in deren Rahmen russische Hersteller bei der Beschaffung Vorrang erhalten. Grund für die Notwendigkeit dieser Maßnahmen sei die Krise in der Branche, sagen Experten. Die Zeitung Iswestija schreibt:
"Im Jahr 2025 ging die Produktion von Baumaterialien in Russland um 8,3 Prozent zurück. Nach einer gemeinsamen Prognose des Ministeriums für Industrie und Handel, des Bauministeriums und des Verkehrsministeriums könnte der Rückgang im Jahr 2026 im Risikoszenario weitere 22 Prozent oder im Basisszenario 6 Prozent betragen."

Die sogenannte "nationale Regelung" gilt im Rahmen des Regierungsbeschlusses Nr. 1875. Sie gilt für Beschaffungen gemäß den Gesetzen 44-FZ und 223-FZ, das heißt für staatliche und kommunale Beschaffungen sowie für Beschaffungen staatlicher Unternehmen und staatlicher Konzerne. Sind Waren in den Listen des Beschlusses aufgeführt, erhalten russische Hersteller und Unternehmen aus den EAWU-Staaten einen Vorteil bei der Teilnahme an solchen Beschaffungen.
Experten sind jedoch der Ansicht, dass es wegen der Spezifik der Branche sehr schwierig sein wird, diesen Mechanismus auf sie auszuweiten. Dmitri Tortew, Mitglied des Expertenrats des Ausschusses für Wettbewerbsschutz der Staatsduma, erklärte gegenüber Iswestija, dass die meisten Bauprojekte als "schlüsselfertige" Projekte realisiert würden, bei denen der Auftragnehmer die Materialien beschaffe und die Leistungen als Gesamtpaket in Auftrag gegeben würden. Daher könnten einzelne Produktarten, wie beispielsweise Fliesen, Glas oder Granit, nicht als eigenständige Beschaffungen herausgelöst werden.
Dmitri Baranow, leitender Experte der Verwaltungsgesellschaft "Finam Management", ist der Ansicht, dass die nationale Regelung für das öffentliche Beschaffungswesen und die Beschaffungen staatlicher Unternehmen allein die Probleme der Branche nicht lösen könne: Sie stütze zwar den Absatz, beseitige jedoch nicht die hohen Finanzierungskosten, fördere nicht die Modernisierung der Unternehmen und steigere auch nicht die Nachfrage.
Im Verband der Hersteller keramischer Werkstoffe ist man hingegen der Ansicht, dass Kontrollmaßnahmen notwendig sind – und dass diese sogar noch verstärkt werden müssen. Konkret wird dort vorgeschlagen, der Regierung zu gestatten, bei Bedarf ein befristetes – bis zu sechs Monate dauerndes – Einfuhrverbot für bestimmte Warengruppen aus Ländern außerhalb der EAWU zu verhängen, sofern diese Produkte auch in Russland hergestellt werden.
Experten weisen darauf hin, dass die Schätzungen zu Importen und Exporten im Baustoffsegment derzeit sehr stark voneinander abweichen. Das Ministerium für Industrie und Handel hatte zuvor erklärt, dass Importe nicht mehr als 4 Prozent des Baumaterialmarktes ausmachten und sich hauptsächlich auf Nischenprodukte des Premiumsegments bezögen. Gleichzeitig gibt der Verband der Keramikhersteller an, dass allein im Segment der Keramikfliesen der Importanteil 33 Prozent erreicht habe.
Was Naturstein betrifft, so wird laut Schätzungen der Trade Group etwa ein Drittel der in Russland nachgefragten Menge aus Finnland, China und afrikanischen Ländern importiert. Wie Experten anmerken, ist die Abhängigkeit des russischen Marktes von Importen in bestimmten Segmenten tatsächlich nach wie vor hoch – oft auch deshalb, weil solche Materialien im Inland nicht hergestellt werden. Nach Einschätzung des Ökonomen Dmitri Prokofjew kann diese Abhängigkeit bei hochwertigen Ausbaumaterialien 20–60 Prozent erreichen, wobei die Türkei und China hier die Hauptlieferanten sind. Keramikfliesen werden aktuell hauptsächlich aus Italien, Spanien, Deutschland und Polen importiert, wobei die Lieferungen aus diesen Ländern häufig über Transitknotenpunkte in "befreundeten" Staaten erfolgen.
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