Deutschland

Bundeswehr mit akuter Personalnot – Bewerberzahlen sinken kontinuierlich

Die Bundeswehr plagt ein generelles Desinteresse an der Arbeit bei der Truppe. Das anvisierte bescheidene Ziel einer Aufstockung von 23.000 Männern und Frauen bis 2031 könnte damit verfehlt werden.
Bundeswehr mit akuter Personalnot – Bewerberzahlen sinken kontinuierlich© Wikipedia: Lupus in Saxonia

Die Bundeswehr hat seit Längerem ein akutes Personalproblem, der soldatische Nachwuchs bei der Truppe stockt. Seit Jahren versucht die Bundeswehr daher durch forcierte Werbemaßnahmen in der Öffentlichkeit die erhoffte Attraktivität der Truppe für eine potenzielle Berufswahl zu erhöhen. Die Werbemaßnahmen betrugen dafür im Jahre 2008 rund 3,8 Millionen Euro, stiegen dann bis 2016 auf rund 35 Millionen Euro, bei gleichbleibender Tendenz. Dem Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel liegen nun aktuelle Zahlen vor, nach denen "sich in den ersten Monaten dieses Jahres wieder deutlich weniger Männer und Frauen für den Soldatenberuf als im Vorjahreszeitraum bewarben".

In einer dem Spiegel vorliegenden "aktuellen vertraulichen Vorlage für die Ministeriumsspitze" heißt es zu diesbezüglicher Problematik: "Der Trend rückläufiger Bewerbungen hält, trotz erheblicher Bemühungen, auch 2023 an". Zu den gelisteten Zahlen heißt es, dass sich bis Ende Mai dieses Jahres insgesamt 23.414 Frauen und Männer für eine mögliche Bundeswehrkarriere entschieden haben, rund sieben Prozent weniger Bewerber als im Vorjahreszeitraum. So würden in der Grafik "für die Ministeriumsspitze fast alle Tendenzpfeile nach unten weisen", so der Artikel darlegend. Ein Vergleich mit Zahlen aus dem Jahr 2019, wo sich noch fast 30.000 Männer und Frauen beworben hatten, belegen das akute Problem.

Noch unter Verantwortung von Ex-Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD), wurde im Jahr 2022 ein Papier mit dem Titel "Kritische Bestandsaufnahme für eine Bundeswehr der Zukunft" veröffentlicht. In diesem hieß es:

"Die Umsetzung eines einzelnen Maßnahmenpakets ist hier nicht ausreichend, um die Verkrustungen von Jahrzehnten aufzubrechen. Es bedarf vielmehr eines nachhaltigen und dauerhaften Reformprozesses."

Zum Thema Personalnot resümierte die Bestandsaufnahme, dass laut Planungsvorgabe "die Bundeswehr bis 2031 auf 203.000 Angehörige anwachsen soll". Dafür müssten "in zehn Jahren 18.000 Soldatinnen und Soldaten hinzukommen, gleichzeitig müssten 20.000 Personen ersetzt werden, die etwa altersbedingt ausscheiden". Die Realität zeigt, dass die Truppe aktuell schrumpft und nicht kontinuierlich wächst. So würden gegenwärtig lediglich 180.770 Personen bei der Bundeswehr dienen. Das sei der niedrigste Stand seit Oktober 2018. "Wie man den Personalbestand auf 203.000 Männer und Frauen erweitern soll, ist völlig ungewiss", so der Spiegel-Artikel zusammenfassend. Zitierte "Fachleute" aus dem internen Papier stellen laut dem Artikel daher fest:

"Die weiterhin sinkenden Bewerbungseingänge werden absehbar eine Beibehaltung der derzeit hohen Qualität in der Personalauswahl erschweren."

Auf der Webseite: "Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw)" heißt es zur Problematik in einem Artikel aus dem März dieses Jahres, mit dem Titel: "Personal, wo bist du?":

"Und es wird nicht besser werden, eher schlechter: Denn es bewerben sich immer weniger Menschen bei der Bundeswehr. Im vergangenen Jahr waren es 43.900 Personen, die Soldat werden wollten. Zwischen den Jahren 2010 und 2022 waren es immer zwischen 52.000 und 59.000 gewesen. Ein massiver Bewerberschwund."

Würden als mögliche Reaktion auf stagnierende Zahlen die "recht hohen Anforderungen" bei den Bewerbungen aufgeweicht, wird laut dem als Verschlusssache eingestuften Dossier befürchtet, dass dies "erhebliche Folgen, etwa für die körperliche Fitness der Truppe" zur Folge haben könnte. Der Status quo würde belegen, dass die aufwendigen Youtube-Produktionen und deutschlandweit plakatierten Werbekampagnen "bisher keine durchschlagenden Erfolge" erbracht hätten. So hätte das Verteidigungsministerium als Reaktion "eine aufwendige Studie in Auftrag gegeben, wie man auch in der 'Generation Z' noch ausreichend Soldaten rekrutieren kann", so der Spiegel berichtend.

Die Antwort des Sprechers des Bundesamts für Bundeswehr-Personalmanagement, auf eine themenbezogene Anfrage des Spiegels, lautete, dass die aktuellen rückläufigen Bewerbungszahlen "vor allem den Auswirkungen des demografischen und gesellschaftlichen Wandels sowie der sich immer weiter verschärfenden Lage auf dem Arbeitsmarkt geschuldet" seien. Gleichzeitig sei es der Truppe jedoch gelungen, "2022 mehr Personal einzustellen als 2021", dem Jahr, in dem die Rekrutierung wegen der Coronapandemie fast völlig zum Erliegen kam.

Auf der Webseite des VdRBw hieß es im März 2023: "Die Personaler der Bundeswehr behelfen sich damit, das vorhandene Bewerberaufkommen "besser abzuschöpfen", wie es in Bundeswehrdeutsch heißt. Sprich: Von den vorhandenen wenigen Bewerbern nehmen sie einfach mehr".

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