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Medienbericht: Callcenter in Kiew nehmen Kanadier aus – Betrüger auch in Deutschland aktiv

Dubiose Callcenter in Kiew haben es international auf das Geld von vertrauensseligen Menschen, hauptsächlich einsamen Rentnern, abgesehen. Eine investigative Recherche kanadischer Journalisten deckte nun den Zynismus der Kriminellen auf: Sie handeln offen und zynisch, denn in Selenskijs Ukraine droht ihnen keine Strafverfolgung.
Medienbericht: Callcenter in Kiew nehmen Kanadier aus – Betrüger auch in Deutschland aktiv© YouTube / Kanal zpsanek

Von Alexej Danckwardt

Der kanadische Nationalsender CBC News hat am Montag eine große Recherche zu Betrugsmaschen veröffentlicht, mit denen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ansässige Callcenter Kanadier um ihr Vermögen prellen. 

Es gäbe, schreiben die Investigativjournalisten, die dem Wirken der Kriminellen nachgegangen sind, hunderte betrügerischer Callcenter in Kiew, die weltweit nach Opfern suchen und sie dazu bringen, Ersparnisse an kriminelle Strukturen zu überweisen. Allein in dem Callcenter an Kiews Prachtboulevard, der zu Ehren des Nationaldichters Taras Schewtschenko benannt wurde, seien, so der Bericht, jede Nacht 150 Mitarbeiter aktiv, deren einziger Job darin besteht, die Ersparnisse der Kanadier durch eine Vielzahl von Anlagebetrügereien zu stehlen.

Gesprochen haben die Journalisten mit einem Informanten, der früher in der Branche tätig war. Außerdem hatte sich einer der Reporter auf ein Stellenangebot des besagten Callcenters beworben und Telefonate geführt, in denen der ukrainische Recruiter erstaunlich offen über Tätigkeit und Vergütung sprach. Und natürlich liegt die Auswertung zahlreicher Ermittlungsakten der kanadischen Behörden der Reportage zugrunde. Allein 2023 haben ukrainische Betrüger nach Angaben des Canadian Anti-Fraud Centre (CAFC) mehr als 300 Millionen kanadischer Dollar durch Anlagebetrug gestohlen. Dies sei neunmal mehr als im Jahr 2020. Die Hälfte dieser Verluste war mit Kryptowährungsbetrug verbunden.

Der Vorwurf des von Radio Canada interviewten Whistleblowers lautet, dass kanadische Behörden nichts unternehmen, um den Massenbetrug zu stoppen: 

"Ich sehe, dass Kanadier das Ziel Nummer eins sind. Ich denke, das liegt daran, dass die Strafverfolgungsbehörden die Betrüger nicht wirklich verfolgt haben. Ich habe viele Warnungen von Finanzbehörden in Kanada gesehen, aber keine wirkliche Strafverfolgung. Ich denke, dass dies bei den Betrügern den Eindruck erweckt, dass Kanada ein leichtes Ziel ist."

Und so läuft der Betrug gewöhnlich ab: 

Er beginne, so die CBC-Reportage, mit gefälschten Anzeigen in den sozialen Medien, meist auf Facebook. Sie zeigen in der Regel ein Foto eines berühmten Kanadiers ‒ etwa des Premierministers Justin Trudeau, des Oppositionsführers Pierre Poilievre oder des ehemaligen "Dragon's Den"-Stars Kevin O'Leary ‒, der für ein neues Investitionsprogramm wirbt. Auch Tesla-Chef Elon Musk ist häufig zu sehen. 

Nutzer, die auf die Anzeige klicken, werden zu einem Artikel auf einem Klon einer kanadischen Nachrichtenseite wie CBC oder CTV weitergeleitet. Der Artikel preist eine risikofreie und sehr lukrative Investitionsmöglichkeit mit Kryptowährungen an und fordert die Leser auf, sich zu registrieren, um mehr zu erfahren.

Diejenigen, die sich anmelden, erhalten Minuten später einen Anruf von einem "Finanzberater", der in Wirklichkeit ein Betrüger ist, der von einem der oben erwähnten betrügerischen Callcenter in Osteuropa aus arbeitet. Sie bringen die Person durch geschicktes Bearbeiten dazu, Kryptowährung zu kaufen. Sobald das Opfer eine kleine Ersteinzahlung getätigt hat, werden ihm auf einer gefälschten Handelsplattform Ergebnisse angezeigt, die das Opfer glauben lassen, dass es unglaubliche Gewinne erzielt hat.

Im Laufe von Tagen, Wochen und manchmal Monaten manipuliert der Finanzberater das Opfer am Telefon, damit es immer größere Geldbeträge "investiert" und seine Ersparnisse nach und nach ausbluten lässt. Irgendwann spielen die Betrüger dem Opfer einen Zusammenbruch des Marktes vor oder verschwinden einfach von der Bildfläche. Das "investierte" Geld sieht das Betrugsopfer, statistisch häufig eine ältere und allein lebende Person im Rentenalter, natürlich nie wieder. 

Die Reporter sind in ihrer Recherche noch weiter gegangen und haben sich auf eine der zahlreichen Stellenanzeigen hin, die in sozialen Netzwerken im Umlauf sind, um einen Job in dem besagten Callcenter beworben. Gesucht werden in den Anzeigen Agenten, die ausschließlich mit kanadischen "Kunden" arbeiten sollten. Die Journalisten konnten ein Dokument einsehen, das die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter eines osteuropäischen Callcenters zeigt. Das monatliche Grundgehalt betrug 1.200 US-Dollar und stieg auf 1.500 US-Dollar für diejenigen, die ihren Opfern 100.000 US-Dollar oder mehr pro Monat abknöpfen konnten. Außerdem erhalten die "Agenten" eine 10-prozentige Provision auf jeden Betrag, den sie erbeuten.

Das klingt nicht viel, jedoch liegt das Durchschnittsgehalt in der Ukraine aktuell bei rund 700 US-Dollar pro Monat.

Nach der Beantwortung einiger flüchtiger Fragen über den Telegram-Chat zu seiner Berufserfahrung wurde der Journalist, der sich auf die Anzeige hin zum Schein beworben hatte, mit einem der Manager, der nur als "Leo" bekannt war, zu einem Vorstellungsgespräch verbunden. Während des Telegram-Audioanrufs, der in englischer Sprache geführt wurde, scheute der Recruiter der Betrüger nicht, zynisch die betrügerische Natur seiner Aktivitäten einzuräumen:

"Sehen Sie, dieses Geschäft läuft schon wie lange? Es ist dieselbe Werbung und dasselbe alles.... Sehen Sie, dumme Menschen sind immer auf der Suche nach irgendetwas, in das sie investieren können, das ihnen nichts bringt und [den Betrügern] mehr Geld einbringt."

Als der Journalist Leo fragte, ob die steigende Inflation in Kanada das Interesse der Kanadier an Investitionsplänen gebremst habe, lachte er:

"Ich weiß nicht, warum, aber sie (die betrügerischen Tricks) funktionieren immer noch."

Wie RT DE von Insidern aus deutschen Justizkreisen in Erfahrung bringen konnte, sind Maschen wie die von CBC dargestellte auch in Deutschland weit verbreitet. Bei der Verfolgung der Täter haben die Ermittler bislang kaum Erfolge: Ukrainische Behörden arbeiten nur formell mit und liefern nur selten konkrete Daten zu den Betrügern. Das Geld ist meistens ohnehin spurlos weg. "Die Ukraine ist wie ein schwarzes Loch für dorthin überwiesene Finanzmittel", sagte ein Ermittler unter der Bedingung der Vertraulichkeit. 

Dabei sind die verdächtigen Callcenter in Kiew allesamt offiziell und offen aktiv. Im Zusammenhang mit denjenigen, die sich auf Russland spezialisieren, ist bekannt, dass sie von Selenskijs Vertrauten und Politikern seiner Regierungspartei geleitet werden und als Teil einer hybriden Kriegsführung gesehen werden ‒ auch der ukrainische Geheimdienst SBU soll involviert sein. Ob dies auch für die Callcenter gilt, die sich auf Kanada oder Europa "spezialisieren", kann nur vermutet werden.  

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